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CAMILLE CLAUDEL (1864 - 1943)

 

Wer modelliert und sich mit Skulpturen auseinandersetzt wird unweigerlich auf Auguste Rodin stossen. Ein fantastischer Bildhauer, der von 1840 bis 1917 in Frankreich lebte. Ich habe ein Exemplar seines berühmten "Denkers" 1994 in Siena abgezeichnet, ohne damals zu wissen, wer dieser Künstler war. Erst seit ich dreidimensional arbeite, bin ich wieder auf ihn gestossen. Beim genaueren Studium seiner Werke wurde ich dann schnell stutzig.

 

So viele riesige Kunstwerke in so kurzer Zeit? Wie soll das denn gehen? Dabei fiel mir auf, dass auf Fotografien oft auch Frauen abgebildet waren, welche an seinen Skulpturen arbeiteten. Eine dieser Frauen war Camille Claudel. Zuerst war sie Rodins Schülerin, danach seine Geliebte und künstlerische Gehilfin. Sie war extrem begabt und hat Werke mit vollendeter Schönheit geschaffen. 

 

Leider nahm ihr Leben eine tragische Wendung. Nachdem sie sich von Rodin getrennt hatte, um unabhängig arbeiten zu können, fiel sie in eine tiefe Depression. In dieser Zeit zerstörte sie auch systematisch viele Werke, welche sie zuvor geschaffen hatte. 

Nachdem ihr Vater und Unterstützer gestorben war, wiesen sie ihre Mutter und ihr Bruder gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik ein. Da blieb sie dann 30 Jahre lang, ohne je wieder ein Werk zu schaffen. 

 

Ihre Lebensgeschichte hat mich tief berührt und mir aufgezeigt, wie schwierig es damals war, als Frau den Beruf der Bildhauerin und Künstlerin auszuüben. Es zeigte mir auch auf, dass der Erfolg einer Künstlerin damals extrem stark vom Einfluss ihres Mannes bei den entsprechenden Gremien abhing. Oft wurden diese Frauen aber auch von den Männern ausgenutzt, sei es als Modell oder Quelle von Ideen, welche sie dann als ihre eigenen ausgaben. 

Camille versuchte aus diesem System auszubrechen und zerbrach daran. 

 

In Nogent-sur-Seine (100km von Paris entfernt) wurde 2017! endlich ein Museum zu Ehren von Camille Claudel eröffnet.

 

 

Ihre traurige Geschichte veranlasste mich dazu, von ihr ein Portrait zu modellieren.  In einem Buch über sie stiess ich auf eine Fotografie, welche mich sofort in ihren Bann zog. 

Die eine zeigt Camille 1884 als 20-jährige junge Frau. Ein Jahr, nachdem sie Rodin kennengelernt hatte. In ihrem Blick liegt etwas Trauriges, Unsicheres und zugleich Trotziges. Als würde sie fragen: Wo geht nun meine Reise hin? Innerlich wusste sie immer, dass sie Bildhauerin werden wollte. Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch noch sehr jung, unerfahren und mit manchem wohl auch ziemlich überfordert. Die Liebe zum 24 Jahre älteren Rodin, ihre Bewunderung für ihn und ihre Hoffnung auf eine künstlerische Zukunft bestimmten ihr Leben. 

Dieses Bild würde mir Vorlage für das Portrait sein. 

 

Im gleichen Buch fiel mir noch eine zweite Fotografie von ihr auf. Dieses Bild war 1886 entstanden. Camille als stolze Frau mit üppigem Hut und adretter Kleidung. Ihr Blick zeigt nichts mehr von der kindlichen Unsicherheit und Trotzigkeit von 1884. Sie war bereits einige Jahre Rodins Geliebte und verlangte von ihm, dass er sie heiratete und ihr auch andere Vorteile verschaffte. Sie hatte kühne Pläne und schaute stark und optimistisch in ihre künstlerische Zukunft. Dass es danach anders kommen würde, konnte sie damals noch nicht wissen. 

 

Mich faszinierten diese beiden Momentaufnahmen so sehr, dass dadurch zwei unterschiedliche Portraits entstanden.