PROTECT YOURSELF AND OTHERS

 

WINKE - WINKE

 

Gegen Ende Februar wurde mir langsam bewusst, dass sich da etwas anbahnt, was uns alle längere Zeit beschäftigen wird. Ein Virus, das uns in Atem halten wird. Zuerst immer wieder Informationen und Schreckszenarien aus dem fernen China. Unvorstellbare Szenen - ein Gesundheitssystem am Anschlag und darüber hinaus.

Bald darauf wurden die ersten Fälle in Europa bekannt. Musste man jetzt schon damit rechnen angesteckt zu sein, weil man jemanden an der Fasnacht getroffen hat, der in Italien war? Die Nachrichten von unseren südlichen Nachbarn erreichten uns im Stundentakt. Jeder von uns wurde ständig durch die Medien damit konfrontiert. Anfangs belächelten viele diese Nachrichten, taten es als Panikmache oder Witz ab. Man konnte oder wollte es nicht wahrhaben, dass dieses Virus sich so rasant schnell verbreitet. 

 

Im Zug dieser Entwicklung wurden diverse Alternativen bekannt womit das Händeschütteln durch andere Gesten ersetzt werden können. 

Der Begriff "Social distancing" ist in aller Munde. Abstand nehmen von Deinen Mitmenschen -  aber wie gross muss dieser Abstand sein um die richtige Wirkung oder eben keine Ansteckung des Virus zu erzielen?

Mediziner sprechen von 2 Metern. Dazu oft Hände waschen und desinfizieren. 

 

Deshalb habe ich anfangs März mit meiner Serie "PROTECT YOURSELF" begonnen. 

Es sind modellierte Teile, welche in quadratische Holzkasten montiert werden. 

Die erste Alternative "WINKE - WINKE" zeigt die Möglichkeit, dass man sich einfach zuwinken kann. Eine Geste, welche bisher eher aus der Ferne gemacht wurde, kann nun auch in etwas näherem Abstand benutzt werden.  

 

 

 WAKANDA - FOREVER

 

Da ich drei Mal in der Woche im Atelier bin, folgte das zweite Bild bereits kurz darauf. 

Die Geste, bei der die Arme gekreuzt und die Hände zu Fäusten geballt auf die Brust gelegt werden, wurde 2018 durch den Film "Black Panther" von Marvel Studios bekannt. Er wurde da als "Wakanda Forever Gruss" bezeichnet, mit dem das fiktive afrikanische Land Wakanda begrüsst und geehrt wurde. Als Mutter zweier Jungs kommt man um diese Filme sowieso nicht herum.

 

Bald darauf wurde die Geste auch von Athleten im Fussball übernommen. Jemand hat mir auch erzählt, dass diese Geste in der Gebärdensprache "Liebe" bedeutet, wobei ich da nicht ganz fündig geworden bin. 

 

 

NAMASTE - ich verbeuge mich vor dir

 

Die Begrüssungs-Alternative für mein drittes Bild lag mir da schon etwas mehr am Herzen.  Bereits im Yoga war ich mit dem "Namaste-Gruss" in Kontakt gekommen. Der Name "Namaste" bedeutet soviel wie Verbeugung zu dir, bzw. ich verbeuge mich vor Dir. 

In dieser Zeit finde ich diese Geste sehr edel und bringt dem Gegenüber eine gerade so hohe, wenn nicht sogar höhere Wertschätzung entgegen,  wie das Händeschütteln. 

 

Natürlich kommen uns Christen dabei auch sofort die gefalteten Hände beim Beten in den Sinn. Diese hält man jedoch während des Gebets am Körper oder die Hände werden sogar gefaltet. 

Beim Namaste-Gruss wird die Geste explizit zu seinem Gegenüber gemacht und das Ganze ist meist auch mit einer kleinen Verbeugung des Oberkörpers und dem Senken des Kopfes und Blickes verbunden. Also eine Art Ehrerbietung. 

 

GIB MIR DEINEN ELLBOGEN

 

Das vierte und letzte Bild dieser Serie zeigt zwei Arme, welche sich am Ellbogen berühren oder kurz davor sind. Die Hände sind zu Fäusten geballt. 

 

Früher hiess es dass man "ellbögle" sollte, um im Beruf oder in der Schule weiter zu kommen. Ein Ausdruck der wohl daher kommt dass wenn man jemanden beim Rennen überholt mit dem Ellbogen angekickt hat und er so zur Seite fiel oder aus dem Tempo kam. Dabei hatte man sich die Chancen zum Sieg verbessert. 

 

Dieses "Ellbögle" hat aber nicht den Hintergrund den anderen wegzustossen um zu gewinnen. Vielleicht haben das ein paar missverstanden, als sie in den Geschäften zu viel WC-Papier hamstern wollten.  Nein, die beiden stossen sich gegenseitig an und zeigen damit, dass sie dem Ganzen mit gemeinsamer Stärke begegnen wollen. 

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir aus dieser Pandemie gestärkt hervortreten. Auch wenn es für viele Menschen wegen der sofortigen Schliessung vieler Geschäfte und Dienstleistungen momentan beruflich und finanziell definitiv nicht rosig aussieht, müssen wir das Beste daraus machen. Versucht kreativ zu bleiben!

 

Gegenseitige Hilfe, Unterstützung, ein gutes Wort oder eine liebe Geste, wie zum Beispiel ein Botengang, sollen überwiegen. Egoismus hat hier keinen Platz!

 

 

Alle Werke sind nun im Schaufenster meiner Atelier-Galerie in Mellingen ausgestellt.